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Ein kurzer Ratgeber rund um die Nachsuche
von Michael Jüngling, Hundeführer im Verein Alpenländische Dachsbracke und amtlich bestellter Schweißhundeführer
Folgendes sollte man sich vor dem Schuss unbedingt genauestens einprägen:
- Den genauen Standort des Wildes
- Wie steht das Stück im Schuss?
- Auf welche Körperseite wird das Stück beschossen?
- Ist das Stück alleine oder in einer Rotte/ Rudel?
Nach dem Schuss:
- Zeichnen auf den Schuss?
- Was hören wir nach dem Schuss? (Klagen, Blasen, Röcheln,…)
- Einprägen der Fluchtrichtung
- Bleibt das Stück bei der Rotte/ Rudel?
- Wie flüchtet das Stück? (laut /leise, sicher/ unsicher im Bewegungsablauf, setzt es alle Läufe auf, Anfliehen von Hindernissen?)
- Ruhe auf dem Stand einhalten, mindestens solange sich das Wild noch in der unmittelbaren Nähe befindet. Mindestens 30 Minuten abwarten, bevor der Anschuss betreten wird
Bei der Anschussuntersuchung:
- Den Anschuss nur betreten, wenn das Stück nicht in Hörweite ist
- Ein leises und vorsichtiges Betreten des Anschusses ist wichtig
- Den Anschuss sehr vorsichtig untersuchen und nicht unnötig vertreten
- Gefundene Pirschzeichen sicher verbrechen (z.B. rotes Band)
- Vor einem nahenden Unwetter die Pirschzeichen sichern (z.B. Abdecken)
Merke: Eine vorsichtige Untersuchung des Anschusses ist sehr wichtig,
Pirschzeichen dürfen nicht unnötig vertreten werden!
Was kann an einem Anschuss an Pirschzeichen zu finden sein?
- Eingriffe und Ausrisse der Schalen
- Kugelriss
- Geschossteile
- Schnitthaar / Schnittborsten
- Deckenfetzen
- Schweiß (Beschaffenheit?)
- Knochensplitter (Beschaffenheit? Platter- oder Röhrenknochen)
- Knochenmark (ist ölig, erhärtet aber schnell bei niedrigen Temperaturen und ähnelt dann Feist)
- Zahnteile (Schneidezähne oder Molaren?)
- Hornteile der Schalen
- Wildpretstücke / Feist
- Organteile (Beschaffenheit? Leberrand oder Leberbrei, Dick- oder Dünndarm)
- Pansen- und Darminhalt
- Geweih- oder Gehörnteile
- Teile einer Tracht
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Nicht immer sind Pirschzeichen so deutlich erkennbar wie auf diesen beiden Bildern
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Merke: Auch wenn für unsere Augen am Anschuss nichts zu finden ist,
kann trotzdem ein Treffer vorliegen.
Die genaue Klärung bringt nur die Anschussuntersuchung mit einem eingearbeiteten Hund!
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Auch im Straßenverkehr verunfalltes Wild muss zwingend
mit einem erfahrenen Hund nachgesucht werden!
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Beurteilung des Anschusses:
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Als sichere Anschüsse (tödlicher Treffer) gelten nur Anschüsse mit Lungenschweiß / Lungensubstanz oder Weidwundschüsse mit Leberbrei am Anschuss! In diesen Fällen gilt eine Mindestwartezeit von 2 Stunden, danach kann die Nachsuche mit einem eingearbeiteten Gebrauchshund durchgeführt werden.
Alle anderen Anschüsse gelten als unsicher (Vorliegen eines nicht tödlichen Treffers).Eine Mindestwartezeit von 4-6 Stunden ist einzuhalten. Die Nachsuche sollte nur mit einem auf Schweiß gut eingearbeiteten Hund erfolgen!
Vorbereitung der Nachsuche:
- Schweißhundeführer verständigen
- Mitjäger und Jagdnachbarn über die bevorstehende Nachsuche informieren
- Der Schütze sollte sich für die Nachsuche bereithalten. Alternativ kann er durch einen Ortskundigen vertreten werden
- Evtl. Vorstehschützen besorgen
Die Nachsuche:
- Der Schütze/Ortskundige weist den Hundeführer am Anschuss ein
- Die Jagdleitung und Gesamtverantwortung liegt während der Nachsuche generell beim Schweißhundeführer (siehe UVV)
- Sollten Vorstehschützen abgestellt werden, verlassen diese unter keinen Umständen ihren Platz. Sie tragen gut sichtbare Warnkleidung
- Der ortskundige Begleiter weist den Schweißhundeführer auf evtl. vorhandene Jagdgrenzen und die gültige Regelung über die getroffenen Wildfolgevereinbarungen hin. Die Telefonnummern der Jagdnachbarn müssen bereitgehalten werden
- Sollte sich ein Stück Wild dem Hund stellen, begibt sich einzig der Hundeführer oder eine speziell von ihm beauftragte Person zur Bail und trägt einen Fangschuss an
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Vorsichtige Anschussuntersuchung
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Der Schweißhund ist abseits des Anschusses abgelegt und wartet auf ein Startzeichen
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Nun wird der Hund am Anschuss eingewiesen und nimmt die Wundfährte auf
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Er liegt gut im Riemen…
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und verweist nach wenigen Metern erste Pirschzeichen
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Im weiteren Verlauf der Riemenarbeit findet sich ein noch warmes Wundbett.
Der Hund wird zur Hetze geschnallt
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Dank Telemetrie kann der Kontakt
zum Hund gehalten werden
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Ein Fangschuss hat die Nachsuche beendet.
Das Wild ist geborgen und wird abtransportiert
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Warten auf den nächsten Einsatz
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Wissenswertes
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Wie viel Schweiß hat eigentlich ein Stück Wild?
Die Faustregel ist 71ml pro KG Lebendgewicht.
Das entspricht bei:
- Rehwild (16 kg) = 1,136 l
- Schwarzwild (50 kg) = 3,550 l
- Rotwild (100 kg) = 7,100 l
- Ein Verlust von 50% der vorhandenen Blutmenge wird von Tieren noch toleriert, ab 2/3 Blutverlust tritt die Bewusstlosigkeit ein.
Faktoren, welche die Nasenleistung und somit die Arbeit des Schweißhundes beeinflussen können
- Schnee
- Starker Frost
- Starke Hitze
- Langandauender Regen
- Bodenarten und Bodenbedeckung
- Spritz- und Düngemittel
- Nachsuchen in verschiedenen Kulturpflanzen, z.B. Mais und Raps
- Nachsuchen in Brennnesseln, Brombeeren, Schlehen
- Nadelholzdickungen (besonders bei großer Hitze)
- Wasserläufe und Wasserflächen
- Suhlen, Brunftplätze, Brunftrudel
Anforderungen an einen Nachsuchenführer
- Freude an der Arbeit mit dem Hund
- Ausdauer und Fitness
- Herausragende Kenntnisse in der Wildbiologie, speziell im Verhalten und den Gewohnheiten der zu suchenden Wildarten
- Kenntnisse in der Wildtieranatomie
- Routinierter Umgang mit der Schusswaffe
- Fingerspitzengefühl im Umgang mit den sich dem Hundeführer anvertrauenden Schützen
- Verschwiegenheit
- Flexible berufliche Tätigkeit – kein Zeitdruck
- den Willen, viel Zeit in die Einarbeitung und Führung des Hundes zu investieren
- Manch private Termine zu verschieben
- Einen verständnisvollen Lebenspartner zu haben
- Eine brauchbare Ausrüstung zu besitzen
- Fazit: Zum Führen eines Schweißhundes ist eine enorme Portion an Passion notwendig!
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Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild, waidmännisch jagt, wie sich‘s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.
(Oberstes Gebot aller Jäger, insbesondere bei einer anfallenden Nachsuche)
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Nach vielen Stunden Arbeit und einigen Kilometern Riemenarbeit mit anschließender Hetze wurde der Frischling im letzten Licht durch einen Fangschuss zur Strecke gebracht.
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Je nach Schusslage ist nicht jede Nachsuche ist von Erfolg gekrönt – hier hat aber mal wieder alles gestimmt
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Für weiterführende Fragen rund um das Thema Schweißarbeit steht der Autor Ihnen gerne zur Verfügung!
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- Erstellen eines Schnitthaarbuches oder einer Schnitthaarsammlung als Referenz zu am Anschuss aufgefundenen Haaren. Diese Sammlung erleichtert durch Abgleichen die Bestimmung der Treffpunktlage am Wildkörper
- Aufbau einer Knochensplittersammlung zwecks Abgleich mit aufgefunden Knochenteilen. Sie werden dabei feststellen, dass Knochen nicht gleich Knochen ist!
- Der Besuch eines Anschussseminars ist im Hinblick auf die richtige Deutung von Pirschzeichen nicht nur für Hundeführer eine sehr lehrreiche Veranstaltung. Dieses Seminar befasst sich auch mit dem korrekten Verhalten nach dem Schuss, der richtigen Herangehensweise an Anschüsse und deren Untersuchung, sowie mit der Wirkung moderner Geschosse im Wildkörper im Hinblick einer Gefährdung des Hintergeländes.
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